Drive Patina

Drive Patina

Worldwide Porsche 912 Price & Listing Tracker

Porsche 912Kaufberatung, Geschichte & alle Baujahre (1965–1976)

Lange Zeit stand der Porsche 912 im übermächtigen Schatten seines großen Bruders, des 911. In Sammlerkreisen oft als "Einstiegsmodell" oder "Spar-Elfer" abgetan, hat sich das Blatt in den letzten Jahren gewendet. Heute wird der 912 als das erkannt, was er von Anfang an war: der fahrdynamisch harmonischere Klassiker.

Mit der Leichtigkeit des 356-Erbes und der zeitlosen Linienführung des frühen F-Modells bietet er ein Fahrerlebnis, das purer kaum sein könnte. Qualitativ orientiert sich dieser Guide an Standardwerken wie Porsche 912 – 50 Jahre von Jürgen Lewandowski.

1965–1969912E: 1976ca. 32.000 gebaut1,6L Vierzylinder · 90 PS

Die Genese einer Ikone: Warum der 912 entstand

Um die Existenz des Porsche 912 zu verstehen, muss man in das Jahr 1963 zurückblicken. Der Übergang vom geliebten Porsche 356 zum neuen Typ 901 (später 911) brachte eine enorme Preiskluft mit sich. Während der letzte 356 SC rund 16.450 DM kostete, startete der neue Sechszylinder-911 bei stolzen 21.900 DM.

Porsche riskierte, seine treue Stammkundschaft an Marken wie Alfa Romeo zu verlieren. Die Lösung war so pragmatisch wie genial: Die moderne, geräumige Karosserie des 911 wurde mit dem perfektionierten, luftgekühlten Vierzylinder des 356 kombiniert. Am 5. April 1965 lief die Serienproduktion des Typ 912 an — ein Geniestreich, der Porsche in einer kritischen Phase finanziell stabilisierte.

Das Herzstück: Motor Typ 616/36

  • Konstruktion1,6-Liter-Zentralnockenwellen-Motor (Stoßstangen-Motor) — das verfeinerte Aggregat des 356 SC.
  • Leistung90 DIN-PS (66 kW) bei 5.800 U/min. Maximales Drehmoment von 122 Nm bereits bei 3.500 U/min — erstaunliche Elastizität.
  • VergaserSerienmäßig zwei Solex 40 PII-4 Fallstrom-Vergaser.
  • FahrdynamikDurch ca. 100 kg weniger Motorgewicht bietet der 912 eine fast ideale Gewichtsverteilung von 45:55. Während der frühe 911 als "nervös" galt, ist der 912 ein Musterbeispiel an Gutmütigkeit und Präzision.

Karosserievarianten

Beim 912 ist die Karosserieform eine Investment-Entscheidung. Grundsätzlich stehen Coupé und Targa zur Wahl — wobei der Soft-Window Targa eine Sonderstellung einnimmt.

Porsche 912 Coupé

1965 – 1969

Die klassische Silhouette — steifer und leichter als der Targa. Als ursprüngliche und häufigste Karosserieform stellte das Coupé die große Mehrheit der produzierten 912. Für Puristen und Fahrer ist es die konsequenteste Wahl.

Porsche 912 Targa

1967 – 1969

Ab 1967 eingeführt. Der Soft-Window Targa (1967–1968) gilt als "Heiliger Gral" für Sammler — die Kunststoff-Heckscheibe lässt sich per Reißverschluss öffnen und erzeugt ein fast vollständiges Cabrio-Feeling. Extrem selten und wertvoll. Ab 1968 folgte die feste Glasheckscheibe.

Porsche 912E

1976 · Nur US-Markt · 2.099 Stück

Nach dem Produktionsstopp des 914 benötigte Porsche ein Einstiegsmodell für die USA. Der 912E nutzt die G-Modell Karosserie und den 2,0-Liter-VW-Einspritzer (Typ 4 Motor). Puristen stören sich am "Brot-und-Butter"-VW-Motor — doch mit nur 2.099 gebauten Einheiten ist er seltener als viele 911er, äußerst zuverlässig und der perfekte Einstieg in die Welt der luftgekühlten Porsche-G-Modelle.

Baujahr-Historie: Die feinen Unterschiede

Die Unterschiede zwischen den Baujahren sind für den Marktwert entscheidend. Prüfen Sie diese Merkmale bei jeder Besichtigung genau.

1965

SWB — Der Anfang

Die Produktion startete im April 1965. Die ersten Fahrzeuge sind für Sammler besonders wertvoll, da sie oft noch bei der Karosseriefabrik Reutter entstanden, bevor die Fertigung komplett zu Karmann wanderte. Charakteristisch ist das flache Armaturenbrett mit nur drei Instrumenten und der lackierten oberen Fläche in Wagenfarbe.

1966

SWB — Erste Verfeinerungen

Der 912 etablierte sich als Verkaufsschlager und überholte den 911 bei den Zulassungszahlen. Das Interieur wurde standardmäßig auf fünf Instrumente umgestellt, um die optische Nähe zum 911 zu wahren. Das 5-Gang-Getriebe wurde eine häufig gewählte Option gegenüber dem serienmäßigen 4-Gang-Getriebe.

1967

SWB — Freiheit mit dem Targa

Das Jahr der Targa-Einführung. Um den US-Sicherheitsgesetzen zu entsprechen, entwickelte Porsche den markanten Edelstahl-Sicherheitsbügel. In diesem Jahr war der 912 Targa ausschließlich mit dem "Soft-Window" (faltbare Kunststoffscheibe) erhältlich – heute eine der gesuchtesten Varianten überhaupt.

1968

SWB — Sicherheit und Übergang

Dieses Jahr ist technisch ein Unikat: Es kombiniert letztmalig den kurzen Radstand (SWB) mit neuen Sicherheitsfeatures wie gepolsterten Armaturenbrettern und größeren Außenspiegeln. Zudem wurden die Türgriffe und Fensterkurbeln modifiziert. Nur 1968 gab es die charakteristischen seitlichen Reflektoren für den US-Markt.

1969

LWB — Der lange Radstand

Um das Fahrverhalten zu beruhigen, wurde der Radstand um 57 mm verlängert. Optisch erkennbar an den leicht ausgestellten hinteren Kotflügeln. Dies war das letzte Jahr der klassischen 912-Produktion, was diese Modelle aufgrund ihrer Seltenheit und des verbesserten Fahrkomforts sehr begehrt macht.

1976

G-Modell — Die Rückkehr als 912E

Nach sechs Jahren Pause kehrte der 912 für ein einziges Modelljahr in die USA zurück. Er basierte auf der G-Modell-Karosserie mit den markanten Faltenbalg-Stoßstangen und wurde vom 2,0-Liter-VW-Einspritzer (Typ 4) angetrieben. Trotz der "Brot-und-Butter"-Technik ist er heute aufgrund seiner Seltenheit (2.099 Stück) ein gesuchtes Sammlerstück.

Technische Daten

MerkmalPorsche 912 (1965–69)Porsche 912E (1976)
Motor1,6L Boxer-4 (Typ 616/36)2,0L Boxer-4 (VW/914-Motor)
Leistung90 PS (66 kW)86 PS (63 kW)
Hubraum1.582 cm³1.971 cm³
Drehmoment122 Nm bei 3.500 U/minca. 152 Nm
Gemischaufbereitung2× Solex 40 PII-4 VergaserBosch L-Jetronic Einspritzung
Getriebe4- oder 5-Gang manuell5-Gang manuell
Beschleunigung 0–100ca. 11,6 sca. 13,5 s
Höchstgeschwindigkeitca. 185 km/hca. 175 km/h
Leergewichtca. 890 kgca. 1.020 kg
RadstandSWB (bis 1968) / LWB +57 mm (1969)LWB
Produktion (gesamt)ca. 32.0002.099
KarosserienCoupé, TargaCoupé

Kaufberatung: Die ökonomische Realität

Wichtig: Da der Wert eines 912 oft (noch) nicht den eines 911 F-Modells erreicht, ist die Grundsubstanz entscheidend. Eine komplette Restauration kostet bei einem 912 genauso viel wie bei einem 911, da Bleche, Chrom und Lack identisch sind. Wer ein Wrack ohne Vollständigkeit kauft, wird die Investition am Markt kaum wieder einspielen. Suchen Sie nach Matching Numbers und originalem Interieur.

🔧

Karosserie & Rost

Diese vier Stellen sind die klassischen Problemzonen — prüfen Sie sie mit einem Magneten auf Spachtelmasse:

  • Schweller & Wagenheberaufnahmen (oft gespachtelt)
  • Batteriekästen im Bug (Säurefraß und Spritzwasser)
  • Lampentöpfe hinter den Scheinwerfern
  • Bodenbleche: unter den Teppichen auf Feuchtigkeit und Durchrostungen prüfen
  • Targa-Bügel (unter dem Edelstahl-Overroll)
⚙️

Motor & Getriebe

Der Typ 616/36 ist robust, aber kein Selbstläufer. Auf folgendes achten:

  • Vergaser: Solex 40 PII-4 sind sensibel — unruhiger Leerlauf deutet auf Revisionsbedarf hin
  • Ölverlust: leichter Nebel normal, Tropfenbildung an Gehäusetrennfuge = teure Abdichtung
  • Getriebe: Synchronringe 2. und 3. Gang (Kratzen = teures Warnsignal)
  • Solex- oder Weber-Vergaser? (Solex = höherer Originalwert)
  • Motornummer am Kurbelgehäuse (rechts unterm Zündverteiler)
🔢

Originalität & Matching Numbers

In einem Markt, in dem ein perfekter 912 über 100.000 € kosten kann, ist Originalität der größte Werttreiber. Die Motornummer muss mit dem Kardex-Dokument übereinstimmen. Originale Armaturenbretter ohne Risse und zeitgenössische Sitzbezüge (z.B. Pepita-Stoff) sind schwer zu finden und teuer im Ersatz.

📁

Historie & Dokumentation

Vollständige Dokumentation ist bares Geld. Ideal ist:

  • Kardex-Dokument von Porsche Classic
  • Porsche Certificate of Authenticity (COA)
  • Lückenloses Scheckheft / Servicehistorie
  • Originale Borddokumente (Bedienungsanleitung, Garantieheft)

Preisbewertung

€15.000–€35.000

Projekt / Restauration

€35.000–€65.000

Gebrauchtzustand / gepflegt

€65.000–€120.000+

Top-Zustand / Originallack

Richtwerte — aktuelle Marktpreise im Live-Preistracker

Besichtigungs-Checkliste

  • Matching Numbers: Stimmen Motor- und Getriebenummer mit den Dokumenten überein?
  • Magnet-Test: Haften Magnete an Schwellern und Radläufen? (Prüfung auf Spachtelmasse)
  • Elektrik: Funktionieren alle Instrumente? (Instandsetzung der frühen VDO-Uhren ist kostspielig)
  • Dokumentation: Ist die Historie (Bordbuch, Rechnungen, COA) lückenlos nachvollziehbar?

Custom Builds & Outlaws

Der 912 ist die perfekte Basis für Individualisten. Ohne den Druck der absoluten Originalität eines millionenschweren 911 S entstehen faszinierende Projekte, die das Beste beider Welten verbinden: klassische F-Modell-Optik und moderne Technik.

Magnus Walker

Sein "Urban Outlaw"-Stil zeigt, wie cool ein reduzierter, tiefergelegter 912 mit Rennsport-Details wirken kann — laut, eigenwillig und konsequent.

Kamm Manufaktur

Diese ungarische Schmiede baut den 912 K4 — ein Carbon-Monster mit über 170 PS. High-Performance-Klassiker auf höchstem Niveau.

Drew Hafner

Seine minimalistischen Builds sind Meisterwerke der Ästhetik: reduziert, durchdacht, konsequent schön.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen dem Porsche 911 und dem Porsche 912?
Der Porsche 912 wurde 1965 als günstigere Alternative zum 911 eingeführt. Der wesentliche Unterschied liegt im Motor: Während der 911 einen 2,0-Liter-Sechszylinderboxer hatte, war der 912 mit dem bewährten 1,6-Liter-Vierzylinder des Porsche 356 ausgestattet. Dies machte ihn etwa 3.000 DM günstiger und sicherte Porsche in der kritischen Anfangsphase des 911 das wirtschaftliche Überleben.
Wie viele Porsche 912 wurden gebaut?
Von 1965 bis 1969 wurden rund 32.000 Einheiten des Porsche 912 produziert — damit war er in diesen Jahren deutlich gefragter als der Porsche 911. 1976 kehrte das Modell als Porsche 912E ausschließlich für den nordamerikanischen Markt zurück, von dem weitere 2.099 Exemplare gefertigt wurden.
Was ist ein Porsche 912 heute wert?
Der Marktwert eines Porsche 912 variiert erheblich je nach Baujahr, Zustand und Originalität. Gepflegte Fahrzeuge erzielen heute zwischen 30.000 und 80.000 Euro, Ausnahmeexemplare mit Originallack, lückenloser Historie und revidiertem Motor können deutlich über 100.000 Euro erreichen. Aktuelle Marktpreise zeigt unser Live-Preistracker.
Was ist ein Porsche 912E?
Der Porsche 912E ist eine Sonderauflage, die 1976 ausschließlich für den US-amerikanischen Markt produziert wurde, um die Lücke zwischen dem 914 und dem 911 zu schließen. Er basiert auf dem 911-Fahrgestell der G-Serie und ist mit dem 2,0-Liter-Vierzylinder-Boxermotor aus dem VW-Porsche 914 ausgestattet. Mit nur 2.099 gebauten Exemplaren ist der 912E ein seltenes Sammlerstück.
Was bedeutet "Matching Numbers" beim Porsche 912?
Matching Numbers bedeutet, dass Motor, Getriebe und Karosserie eines Fahrzeugs noch die ursprünglich vom Werk zugeordneten Komponenten besitzen — erkennbar an übereinstimmenden Seriennummern. Ein Porsche 912 mit Matching Numbers gilt als besonders originalgetreu und erzielt am Markt deutlich höhere Preise als Fahrzeuge mit ausgetauschten Aggregaten.
Welche Karosserievarianten gab es beim Porsche 912?
Den Porsche 912 gab es als geschlossenes Coupé und ab 1967 als Targa mit abnehmbarem Targabügel. Besonders begehrt ist der Soft-Window Targa (1967–1968) mit per Reißverschluss öffenbarer Kunststoff-Heckscheibe. Ab 1968 folgte die feste Glasheckscheibe.
Warum ist der Porsche 912 manchmal teurer als ein Porsche 911 SC?
Der 912 nutzt die begehrte, leichte Karosserie des F-Modells (vor 1973). Diese klassische Optik und das mechanische Fahrgefühl — besonders die ausgeglichene Gewichtsverteilung durch den leichteren Vierzylinder — werden derzeit vom Markt höher bewertet als die späteren G-Modelle.
Ist der Vierzylinder des Porsche 912 untermotorisiert?
Nein. Durch das geringere Gewicht im Heck ist der 912 auf kurvigen Landstraßen oft flinker als ein früher 911. Der 1,6-Liter-Motor liefert sein maximales Drehmoment von 122 Nm bereits bei 3.500 U/min und bietet damit eine erstaunliche Elastizität. Er erfordert jedoch mehr Schaltarbeit als der Sechszylinder.
Wo finde ich die Motornummer beim Porsche 912?
Die Motornummer ist am Kurbelgehäuse, rechts unterhalb des Zündverteilers, eingeschlagen. Für die Prüfung auf Matching Numbers sollte diese Nummer mit dem Fahrzeugbrief und dem Kardex-Dokument von Porsche übereinstimmen.
Was ist der Unterschied zwischen Solex und Weber Vergasern beim 912?
Solex 40 PII-4 Fallstrom-Vergaser waren die Werksausrüstung des Porsche 912. Viele Fahrzeuge wurden nachträglich auf Weber 40 IDF umgerüstet, da diese als wartungsfreundlicher gelten. Für Sammler, die auf Originalität Wert legen, sind die originalen Solex-Vergaser bevorzugt — sie wirken sich positiv auf den Wert aus.
Wie viele Porsche 912 wurden insgesamt gebaut?
Von 1965 bis 1969 wurden etwa 30.000 Einheiten des Porsche 912 produziert. Dazu kommen 2.099 Exemplare des Porsche 912E aus dem Jahr 1976, der ausschließlich für den US-Markt gefertigt wurde.

Fazit

Der Porsche 912 ist die Quintessenz des Wesentlichen. Er bietet das Design der Ikone, das Handling eines Sportlers und die Vernunft einer robusten Technik. Ob als Originalfahrzeug mit lückenloser Historie oder als Basis für einen individuellen Outlaw-Build — der 912 fasziniert auf seine ganz eigene Weise. Nutzen Sie unseren Preistracker, um weltweit die besten Exemplare zu vergleichen.

Bereit zum Suchen?

Aktuelle Porsche 912 Inserate weltweit

Zum Preistracker →